Über 4,5 Tage, über 1.000 Besucherinnen und Besucher, mehr als die Hälfte davon Kinder und Jugendliche: Die Buchmesse Droyßig hat eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn eine Gemeinschaft für das Lesen brennt. In der prachtvollen Schlosskirche Droyßig verwandelte sich ein historischer Ort in einen lebendigen Begegnungsraum für Bücher, Geschichten und Menschen — aus der Region und darüber hinaus.

Ein Ort, der Lesen feiert
Schon beim Betreten der Schlosskirche war spürbar: Hier ist etwas Besonderes entstanden. Liebevoll hergerichtete Ausstellungsflächen, Leseecken und Regale voller Buchempfehlungen luden zum Stöbern und Entdecken ein. Über 200 Lieblingsbuchtitel, die Bürgerinnen und Bürger im Vorfeld eingereicht hatten, bildeten das Herzstück einer Ausstellung, die zeigt: Lesen ist eine lebendige Kultur!

Den Auftakt bildete die Veröffentlichung des ersten „Droyßiger Kinderbuches“ — entstanden aus dreißig Geschichten und Illustrationen von Kindern und Jugendlichen während und nach der ersten Buchmesse. Zur Eröffnung trugen sechs junge Autorinnen und Autoren ihre Texte vor, musikalisch begleitet von Nachwuchstalenten der Musikschule Klangkiste.


Der Donnerstag startete mit interaktiven Lesungen von Dr. Sibylle Mottl-Link: Rund 200 Kinder der Grundschulen Droyßig und Kretzschau lernten mit Puppen Spannendes über ihre Körperpolizei und den Umgang mit Stress. Am Nachmittag präsentierten die Kitas der Verbandsgemeinde ihre Buchprojekte — von Ausflügen zur Ortsfeuerwehr bis zu selbst erfundenen Umweltheldengeschichten. Bei Sonnenschein verwandelte sich die historische Schlosskirche dann zur Kulisse eines Mitmachmärchens, in dem Besuchende der Buchmesse spontan mitwirkten. Kinder, Jugendliche und Erwachsene erweckten auf diese Weise gemeinsam das Rumpelstilzchen zum Leben.

Auch der Freitag begann mit Schulklassen, die Bücherregale durchstöberten und eigene Leseempfehlungen entdeckten. Robert Weinkauf las den Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ in einfacher Sprache und zog Schülerinnen und Schüler in seinen Bann. Ein Fachvortrag und Diskussion zur Frage, wie KI zur Kompetenzentwicklung genutzt werden kann, zeigte: Lesekompetenz ist nicht nur auf dem Papier wichtig. Den Abend machte das Improvisationstheater Öde & Schriller aus Weimar zum Erlebnis — mit viel Mitmachen, Staunen und Lachen.
Der Samstag gehörte Familien, Kindern und Jugendlichen: Buchbinden, Leserallye, Illustrieren, Blackout Poetry, Buchdoktor-Ausbildung und fremde Schriftzeichen — das Programm lud zum Entdecken und Ausprobieren ein. Schülerinnen und Schüler brachen mit ihrem Handpuppentheater Stereotype auf, Lesungen in anderen Sprachen zeigten die Vielfalt von Sprache, und der Circus Upsala brachte ausgelassene Energie in die Kirche. Den Abend gestaltete Beat-Boxer und Musikpädagoge Elmar Kühn: Vom gemeinsamen Beatboxen über das Erschaffen eines Buchmesse-Songs bis zur Tanzparty vor der Bühne wurde der Abend ein echtes Fest der Worte.

Der Sonntag begann besinnlich: Jan-Christian Buchwitz fragte in seiner Buchandacht „Wer ist der Autor unseres Lebens-Buches?“ und lud zur Reflexion über die eigene Schaffenskraft ein. Trotz strömenden Regens führte der Lesespaziergang durch Räume und Geschichten rund um das Schloss und die Welt — während es in der Leseecke der Schlosskirche für die Kinder gemütlich wurde. Den Abschluss gestalteten die Droyßiger Hausmusiker: Berührende Klänge ließen die vergangenen Tage nachklingen und den Geist des Ortes wirken.

Was die Buchmesse Droyßig von Anfang an auszeichnet, ist das außergewöhnliche Engagement der Menschen, die sie möglich machen. Über 200 Akteurinnen und Akteure haben mit ihrer Zeit, ihren Ideen und ihrer Leidenschaft das Programm gestaltet und die Veranstaltung erst zum Leben erweckt. Lokale Vereine sorgten für Kaffee und selbstgebackenen Kuchen, Schulen und Kindertagesstätten brachten ihre Klassen und Gruppen mit, Familien kamen gemeinsam. Der Eintritt war frei — Lesen und Literatur sollen für alle zugänglich sein, ohne Schwelle.
Diese Buchmesse ist kein Projekt von oben, sondern ein Fest aus der Mitte der Gemeinschaft heraus. Dafür danken wir allen Mitwirkenden von Herzen.
Mit über 1.000 Besucherinnen und Besuchern — mehr als die Hälfte davon Kinder und Jugendliche — weckte die Buchmesse Droyßig Freude am Lesen, schafft Zugang zu Büchern und zeigt Kindern wie Erwachsenen: Geschichten, die im Kopf entstehen, kann niemand wegnehmen. Diese Ausgabe der Buchmesse entfaltet ihre Wirkung weit über die Schlosskirche hinaus. In Familien, in Schulklassen, in Gesprächen, die noch lange danach geführt werden.
Wir sagen Danke — und freuen uns auf das nächste Kapitel.
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